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Interview mit Familie Guareschi

Zuerst möchten wir ein paar einleitende Worte zum Interview sagen. Dieses bisher unveröffentlichte Interview haben wir mit Carlotta und Alberto Guareschi, die Kinder von Giovannino gemacht. Wir möchten uns noch mal recht herzlich für die Hilfe und Unterstützung der Familie Guareschi bedanken.

1. Welche Erinnerungen sind für euch die schönsten, verbunden mit der Zeit, die ihr mit eurem Vater verbracht habt?

Die schönste Zeit war der Umzug von Mailand nach Roncole Verdi im Jahre 1952. Unser Vater konnte endlich seinen Traum verwirklichen, er hat ein Stück Land in der Bassa gekauft, und dort ein Haus gebaut, das zunächst als Ferienhaus dienen sollte. Später wurde es aber unser Hauptwohnsitz. Er ist je Woche für drei Tage nach Mailand gefahren, hat dort viel gearbeitet, was ihm viel Mühe gekostet hat, damit wir in Ruhe auf dem Land wohnen konnten. Fahrrad fahren ohne viel Verkehr, auf Feldern laufen und mit viel Freiraum spielen: was kann man sich als Kind mehr wünschen? Diese Jahre waren für unsere Eltern eine kurze Zeit und die schönsten Jahre, was wir erst viel später verstanden haben, denn im Jahre 1954 musste unser Vater ins Gefängnis gehen. Und vor dieser Zeit gab es den Krieg, dann kann unserer Vater zurück, um einen Neubeginn seines Lebens zu starten. Dann konnte er in die Bassa zurückkehren, um seinen Traum zu bauen der sehr bescheiden war, und in dem er viel verändert hat. In diesen wenigen Jahren hat unser Vater die Möbel gezeichnet und bauen lassen, soweit den Garten renoviert. Wir konnten oft mit Hammer und Nagel beobachten: dies sind unsere schönsten Erinnerungen.

2. Könnt Ihr euch an einen glücklichen Augenblick und an ein trauriges Episode am Leben eures Vaters erinnern?

Wir denken, dass die glücklichen Momente sind jene, die mit der satirischen Zeitung "Bertoldo" zwischen die Jahren 1936 und 1943 vergangen sind. Er war ein jünger, erfolgreicher Humorist . er hatte eine ständige Arbeit, und es gab eine ausgezeichnete Einstimmung mit den Arbeitskollegen. Er hatte eine Familie gebildet, und er war nicht mehr traurig wegen der Armut, weil er die Gelegenheit hatte, Geld zu gewinnen und pausenlos zu arbeiten.

3. Wir war es für euch mit einem berühmten Vater, der politisch schlecht angesehen wurde, der ohne sich zu beklagen ins Gefängnis gegangen ist?

Manchmal war es für uns unangenehm, vor allem wenn wir mit ihm unterwegs waren, und die Menschen ihn oft angesprochen haben. Als wir dann älter waren, waren wir nicht mehr eifersüchtig auf diese Fans, und heute ist uns ihre Liebe sehr wichtig. Unser Vater hat verschiedene Entscheidungen in seinem Leben getroffen, für die er viel bezahlt hat. Während des Krieges hat er als Soldat eine Zusammenarbeit mit den Deutschen abgelehnt, dann hat er der Sozialrepublik (Repubblica sociale) von Mussolini nach dem 8. September 1943 nicht zugestimmt, und musste dafür 18 Monate und deutschen und polnischen Konzentrationslagern arbeiten und weitere sechs Monate auf die Einreise nach Italien warten. Im Jahre 1954 hat er ohne Hemmungen einen wichtigen Politiker zu jener Zeit kritisiert, und dadurch ein Freistrafe im Gefängnis von Parma absitzen müssen, sowie sechs Monate zusätzlich unter Polizeiaufsicht. Darauf werden wir stolzer und stolzer.

4. Umgeben von vielen Gegnern hat euer Vater auch wahre Freunde gehabt?

Seine besonderen Entscheidungen haben uns immer versehen lassen, wer ein wahrer Freund unseres Vaters war und wer nicht. Er hatte nicht viele Freunde, aber wenige treue Freunde. Zudem hatte er eine große Anzahl von Lesern, bei denen er sehr beliebt war, und die ihm während seines Gefängnisaufenthaltes "Briefe der Solidarität" geschickt haben, die ihm viel Kraft und Trost gespendet haben.

5. War Indro Montanelli ein grosser Freund oder ein Berufskollege? Was war seine Meinung über diesen Journalist?

Indro Montanelli arbeitete mit unserem Vater in "Candido" in der Zeit vor den 1948 Wahlen mit einer Reihe von strebenden, mutigen Artikeln, gegen den Völkischen Demokratischen Front - "Fronte Democratico Popolare", der die kommunistische Partei und die sozialistische Partei einbezog. Dann Sandro fing an bei Corriere della Sera in Rom zu arbeiten. Ausserdem, der häufige Kontakt zwischen ihnen ging verloren, da der eine war in Mailand und der andere in Rom. Unser Vater hielt ihn für einen grossen Journalist, mit einem eigenen Styl, der mit einer grossen Ausdrucksfähigkeit gekennzeichnet wurde. Aus diesem Grund, war er keineswegs davon überrascht, mit gewissen Bemerkungen, die von den Lesern als erstaunlich betrachtet werden konnten.

6. Wie alt wart ihr, als euer Vater mit den Kinoabenteuern von Don Camillo begonnen hat? Wart ihr bei den Dreharbeiten?

Zu dieser Zeit waren wir zwei Kinder (Alberto ist 1940 geboren, Carlotta im Jahre 1943). Wir sahen einmal die Dreharbeiten für den ersten Kinofilm der Serie. Wir haben uns sehr gelangweilt, weil eine Szenen immer wieder wiederholt wurde, so dass wir auch nicht mehr für die Dreharbeiten der anderen Filme zusehen wollten.

7. Gab es ein vorgezogener Film in der Reihe: Don Camillo und Peppone?

Wir befürchten, dass keine der Verfilmungen hat ihn vollkommen befriedigt. Der Grund dafür ist, dass die Auswahl der Erzählungen, die vom Filmcharakter vermittelt wurden, waren mehr nach Humorismus als nach Überlegung oder Nachdenken gerichtet.

8. Was ist das literarische Werk das am besten vertritt die Werte der "Bassa"?

Die drei Geschichten -La tre storie im Vorwort des ersten Bandes der Reihe "Mondo Piccolo" sind für uns die bedeutendsten der Bassa, weil es ist durch sie, dass unser Vater versucht zu erklären, wie die Einwohner eigentlich sind, ihre Umgebung, und diese besondere Atmosphäre, die er später in seinen Erzählungen entwickelt.


9. Die internationale Verbreitung des Werkes Guareschis erlaubt es euch, im Kontakt mit der ganzen Welt zu bleiben. Jenseits der italienischen Grenzen, wo wird diese ganze literarische Produktion am besten anerkannt?

Frankreich, vielleicht weil der Charakter Don Camillo wurde im Film von dem Französischen Schauspieler Fernandel gespielt, und Deutschland, weil alle diese Filme haben die Italien nach dem Krieg sehr gut dargestellt.


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Alberto Guareschi
Carlotta Guareschi

Carlotta und Alberto Guareschi

Alberto und Carlotta Guareschi