Brescello
Das Dorf
Hier sind die ersten Verse eines Gedichtes, das am 6. Juni 1994 von Narciso
Campioni, einem Touristen, geschrieben wurde. Herr Campioni ist von der
Einfachheit Brescellos bezaubert und zeigt uns sympathisch und ohne irgendeine
literarische Ambition die Realität dieses kleinen Dorfes in der Provinz
von Reggio Emilia. Der "Personalausweis" von Brescello lautet
folgendermaßen:
In der Poebene liegt Brescello,
eine kleine und ruhige Ortschaft,
die das Werk eines guten Malers zu sein scheint;
sie erinnert uns an Peppone und Don Camillo,
die mit ihren komischen Filmen,
dem Dorf Ehre und Berühmtheit gaben.
Historische Hinweise
Die Ursprünge Brescellos gehen auf die Urgeschichte zurück,
wie die Funde in den Ortschaften Ravisa von San Genesio und Motta Balestri
beweisen. Die ersten sesshaften Völker, die sich jedoch in dieser
Gegend niederließen, waren die zimbrischen Gallier Cenomani. Sie
gaben dem Gebiet, das sie in der Poebene eroberten, den Namen Brixellum.
Um 220 vor C. wurde Brescello vom römischen Konsul Quinto Manlio
erobert und um 190-189 vor C., wie Plinius der Ältere in seiner Naturalis
Historia (III, 15, 115) schreibt, wurde es zur römischen Kolonie.
Es handelte sich um ein Zenturiatsgebiet, das unter der Kontrolle der
Familie Arnense aus Latium war. Brescello wurde als ein wichtiges ökonomisch-strategisches
Zentrum betrachtet. Von hieraus war es möglich, einen Schüsselpunkt
entlang des Flusses zu überwachen.
Im 1. Jahrhundert vor Christus hatte sich Brescello bemerkenswert vergrößert.
Es wurde zu einer reichen dichtbevölkerten Stadt, mit Gerichtsort
und Sitz von verschiedenen Zünften, mit seinem Forum, seinem Aquädukt
und einem Hafen am Fluss Po.
Infolge der römischen Reichkrise, ab dem 3. Jahrhundert nach Christus,
verfiel die Stadt langsam. Brescello wurde mehrmals geplündert und
zerstört (227 von einer Räuberbande). Trotz der politisch-ökonomischen
Krise wurde Brescello 389 nach Christus zum Bischofssitz ernannt (der
erste Bischof war Genesio, der gegenwärtige Schutzheilige des Dorfs).
572 wurde die Stadt von den Langobarden eingenommen und zum Herzogtum
erklärt. Zwischen dem 6. und dem 7. Jahrhundert war die Stadt im
Mittelpunkt eines Streites zwischen dem byzantinischen Exarchat von Ravenna
und den barbarischen Staatsmächten, die das Padania überfielen.
Die vom langobardischen König Agilulfo geleiteten Truppen (603) und
eine Reihe verheerender Überschwemmungen (589 und um 509-510) machten
die Stadt fast völlig dem Erdboden gleich. Damit hörte das gallisch-römische
Brixellum auf zu existieren.
In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde Brixillum
wieder aufgebaut, zuerst das mittelalterliche Schloss zur Verteidigung
des Flusshandels, dann wurde es der Sitz wichtiger Mönchsorden (z.B.
der Benediktiner).
Im 12. Jahrhundert war Brescello von Parma politisch abhängig.
In den folgenden Jahrhunderten wird die Geschichte des Dorfes von aufeinanderfolgen
verschiedenen Signorien charakterisiert: Correggeschi, Rossi, Visconti,
Sforza bis zum Geschlecht der Este (1479).
Aufgrund blutiger Schlachten zur Eroberung der Stadt veranlassten die
Esten, eine fünfeckige Ringmauer mit einem Graben zu bauen, um Brescello
zu einer Stadt mit Festung zu machen (die Stadt wurde "herkulisch"
zu Ehren Herzogs Ercole II der Este genannt).
1704 wurden die Mauer und die Hochburg Brescellos von den Spaniern zerstört
und das Dorf versank nochmal in Anonymität, die mehr als ein Jahrhundert
dauerte. Die Regierungszeit der Este ging bis 1861, als Brescello (zusammen
mit den anderen Städten der Provinz von Reggio Emilia) in das italienische
Reich eintrat.
Brescello in der Gegenwart
Brescello gehört zu einer Gruppe von mittelgroßen Dörfern
in der Poebene der Provinz von Reggio Emilia, die sich am rechten Flußufer
befinden: Boretto, Gualtieri, Guastalla und Luzzara. Es handelt sich um
eine Gebietslänge von 20 Kilometer, die eine intensive Touristen-
und Flusstätigkeit ausübt.
Die Gemeinde von Brescello, zirka 20 Kilometer von Parma und 30 Kilometer
von Reggio Emilia entfernt, besteht aus drei Orten: der Hauptort mit ungefähr
5000 Einwohnern, und den Ortsteilen von Lentigione und Sorbolo a Levante,
die sich westlich zur Provinz von Parma strecken.
Die Wirtschaft von Brescello ist typisch für die Poebene der Provinz
von Reggio Emilia. Das Dorf rühmt sich einer der blühendesten
Region Italiens, dessen Entwicklung vom Vorhandensein zahlreicher Wasserläufe
(in erster Linie der Po) und von einigen Urbarmachungen im Laufe der Jahrhunderte
(z.B. die Benediktiner im Mittelalter, das Geschlecht der Este im Rinascimento
und auch nach dem zweiten Weltkrieg bishin zur ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts) gefördert wurde.
Die Viehzuchttätigkeit (vor allem die Schweinezucht) und der ganze
Lebensmittelbereich sind weit entwickelt (Wurstwaren wie der Culatello;
Käse, der Parmigiano-Reggiano oder Wein wie der Lambrusco
sind in ganz Italien [und nicht nur in Italien] sehr bekannt).
Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich der Industriezweig (vor allem die
Maschinenindustrie und die metallverarbeitende Industrie) gut entwickelt.
Neben wenigen Großbetrieben kann man die Entstehung von vielen Klein-
und Mittelbetrieben (einige mit Produktionen von absolut hervorragender
Qualität) registrieren.
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